Wahlergebnis in Zahlen

Die Kommunalwahl in der Stadt Schönsee am 15.03.2020

Der Versuch einer Analyse vom Sepp Maier:

Die Kommunalwahl am 15. März 2020 in der Stadt Schönsee versprach wieder einmal spannend zu werden. Neben zwei Bürgermeisterkandidaten gab es viele neue Gesichter auf den Listen der Parteien und Wählervereinigungen. Überwiegend „altgediente Stadträte“ wie 2. Bürgermeister Josef Irlbacher, Michael Ebnet und Johann Schieber, sowie der „Neuling“ Andreas Kulzer stellten sich nicht mehr zur Wahl. Zudem sprang der 2014 neu in den Stadtrat gewählte Josef Eibauer von der Liste der „Wählergemeinschaft Schönsee Ost: Dietersdorf, Friedrichshäng, Weberhäuser“ ab und gründete eine neue Wählervereinigung mit der Bezeichnung „Bürgerliste Miteinander“. Bei der Wahl haben auch erstmals fast alle Parteien und Wählergruppen die neuen Medien in Form eines Internetauftritts eingesetzt.

Die Wahl des 1. Bürgermeisters

Durchaus überraschend war die Nominierung des ersten Bürgermeisterkandidaten, Herrn Reinhard Kreuzer. Er ist zwar seit 01. Mai 2014 für die Liste der „Wählergemeinschaft Schönsee Ost: Dietersdorf, Friedrichshäng, Weberhäuser“ im Stadtrat der Stadt Schönsee vertreten und wurde aber von der FWG Schönsee am 13. Dezember 2019 zum Bürgermeisterkandidaten aufgestellt. Zugleich bekam er den üblichen Listenplatz 1 auf der Liste der FWG Schönsee eingeräumt.

Der CSU – Ortsverband ging, aus Gründen die ich nicht kenne, bei der Nominierungsversammlung am 17. Dezember 2019 ohne Bürgermeisterkandidaten in das Rennen um die Stadtratsmandate. Im Laufe des Januar 2020 nominierte die CSU bei einer zweiten Nominierungsveranstaltung kurz vor dem Ablauf der Einreichungsfrist Herrn Xaver Bayer als Bürgermeisterkandidaten. Nachdem auch diesem Kandidaten der Listenplatz 1 auf der Liste der CSU zuerkannt wurde, musste die Liste der Stadtratskandidaten der CSU neu aufgestellt und verabschiedet werden.

Vor allen Dingen aufgrund seines Amtes als 1. Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Schönsee und zudem als Kandidat des CSU Ortsverbandes Schönsee und damit designierter Nachfolger von Bürgermeisterin Birgit Höcherl wurde Herr Xaver Bayer trotz seiner Unerfahrenheit in kommunalen Ämtern als Favorit gehandelt. Je näher der Wahltag heran rückte, desto knapper schien sich bei Gesprächen in der Bevölkerung die Favoritenrolle zu bewahrheiten.

Das Ergebnis in den Wahllokalen deutete mit zumindest einen knappen Vorsprung für den Favoriten, Herrn Xaver Bayer, an. Bei der Briefwahl konnte aber Herr Reinhard Kreuzer kräftig nachlegen und diese für sich entscheiden. Das Votum ergab insgesamt 762 gültige Wählerstimmen (51,52 %) für den Kandidaten Reinhard Kreuzer und 717 Stimmen (48,48 %) für den Kandidaten Xaver Bayer.

Unter dem Strich gab es also mit 45 Stimmen Vorsprung einen knappen Sieg für den Stadtrat Reinhard Kreuzer, Schreinermeister, der ab dem 1. Mai 2020 das Amt des ersten Bürgermeisters der Stadt Schönsee innehat. Er tritt damit in die Fußstapfen seines Großvaters Karl Kreuzer, der in der ehemals selbständigen Gemeinde Dietersdorf über Jahrzehnte, nämlich von 1945 bis 1972 (Eingemeindung in die Stadt Schönsee) die Geschicke der Gemeinde Dietersdorf leitete.

Die ältere Generation wird sich daran erinnern, dass es bei Bürgermeisterwahlen in Schönsee in der Vergangenheit noch knappere Ergebnisse gab.

Die Wahl der Stadträte

Für die Wahl der neuen Stadträte habe ich am 20. Januar 2020 eine Prognose gewagt. Dabei habe ich berücksichtigt, dass die jungen Stadträte der CSU die hohen Stimmenzahlen der ausscheidenden Stadträte der CSU wohl nicht erreichen können. Auch ging ich aufgrund von zwei Bürgermeisterkandidaten von einer höheren Wahlbeteiligung als 2014 aus. Schwierig war die Vorhersage des Wahlverhaltens der Wahlberechtigten für die neue Bürgerliste „Miteinander“. Nicht leicht war auch die Einschätzung, wie sich das Vorgehen der FWG Schönsee die bisherigen Stadträte Thomas Schiller und Andreas Hopfner nur auf die Listenplätze 11 und 12 zu setzen und Frauen und jüngere Kandidaten auf den vorderen Listenplätzen zu platzieren, auswirken würde. Schließlich war auch klar, dass die FWG Schönsee Ost viel an Boden verlieren würde, da Andreas Kulzer nicht mehr angetreten ist, Reinhard Kreuzer für die FWG Schönsee als Bürgermeister kandidierte und Josef Eibauer die neue Wählergemeinschaft „Miteinander“ gründete.

Schließlich bin ich meinen Berechnungen auf folgende Sitzverteilung gekommen:

CSU 4 Sitze
FWG Schönsee 4 Sitze
SPD 1 Sitz
FWG Schönsee Ost 1 Sitz
FWG Gaisthal, Rackenthal 2 Sitze
Bürgerliste Miteinander 2 Sitze

Diese Einschätzung sollte sich nach der Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses auf der Homepage der Stadt Schönsee nicht bewahrheiten. Die Bürgerliste Miteinander erhielt danach 3 Sitze, die FWG Gaisthal – Rackenthal nur 1 Sitz. Die übrige Einschätzung der voraussichtlichen Sitzverteilung war jedoch richtig.

Vorläufiges Ergebnis:

Christlich Soziale Union (CSU) 11.120
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1.685
Freie Wählergemeinschaft Schönsee (FWG) 11.560
Freie Wählergemeinschaft Schönsee Ost: Dietersdorf 3.924
Freie Wählergemeinschaft Gaisthal – Rackenthal 4.129
Bürgerliste Miteinander 6.888

Gesamtstimmen 39.306





Wahlverfahren

In den letzten Jahrzehnten wurde für die Sitzverteilung das d’Hondt-Verfahren angewandt. Einfach erklärt werden die gesamten erreichten Stimmen der einzelnen Parteien und Wählergruppen so- lange durch 1, 2, 3 usw. geteilt, bis sich so viele Höchstzahlen ergeben wie die 14 Sitze zu verteilen sind.

Bei der Kommunalwahl 2014 wurde dieses Verfahren durch das Hare-Niemeyer-Verfahren abgelöst.

Bereits bei der Kommunalwahl 2020 wurde dieses Verfahren in Bayern wieder ad acta gelegt und ein neues Verfahren, nämlich Sainte-Laguë/Schepers gesetzlich festgelegt. Bei dem vom Bayerischen Landtag verabschiedeten Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz (GLkrWG) handelt es sich eigentlich um ein sehr ähnliches Verfahren wie das Verfahren nach d’Hondt, jedoch mit dem Unterschied, dass das Ergebnis der Parteien und Wählervereinigungen nicht durch 1,2,3,4,5 usw., sondern nur durch ungerade Zahlen 1,3,5,7,9 usw. geteilt wird. Damit wird berücksichtigt, dass kleinere Parteien und Wählervereinigungen durch die schneller sinkenden Höchstzahlen eher einen Anspruch auf einen Sitz im Stadtrat erreichen können.

Bei meiner Nachberechnung der Sitzverteilung stellte sich heraus, dass von den insgesamt 39.306 vorläufigen Stimmen der Wählergemeinschaft Gaisthal – Rackenthal nur 4 Stimmen (0,010 %) fehlten um einen zusätzlichen Sitz zu erreichen.

Mein Respekt gilt den 5 Mitgliedern im Gemeindewahlausschuss der Stadt Schönsee, die in einer ihrer Sitzungen aufgrund des sehr knappen Wahlergebnisses festgelegt haben, die Stimmen der Bewerber um ein Stadtratsmandat nachzuzählen.

Tatsächlich ergaben sich bei der Nachzählung geringfügige Stimmenverschiebungen zwischen den Parteien und Wählergruppen.

Christlich Sozial Union (CSU). +9
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) +9
Freie Wählergemeinschaft Schönsee (FWG). +13
Freie Wählergemeinschaft Schönsee Ost: Dietersdorf +11
Freie Wählergemeinschaft Gaisthal – Rackenthal +13
Bürgerliste Miteinander. -6
Stimmenveränderungen insgesamt. +49

Der Wahlausschuss der Stadt Schönsee hat in seiner Sitzung am 16. April 2020 das abschließende Wahlergebnis festgestellt und auf der Homepage der Verwaltungsgemeinschaft Schönsee veröffentlicht. Es sieht wie folgt aus:

Christlich Sozial Union (CSU). 11.129
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1.694
Freie Wählergemeinschaft Schönsee (FWG). 11.573
Freie Wählergemeinschaft Schönsee Ost: Dietersdorf 3.935
Freie Wählergemeinschaft Gaisthal – Rackenthal 4.142
Bürgerliste Miteinander. 6.882
Insgesamt. 39.355

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Reimer Hubert

    Die Wahlanalyse vom ehemaligen Stadtkämmerer Sepp Maier war sehr interessant und aufschlussreich. In Anbetracht des sehr knappen Wahlausgangs bezüglich der Verteilung der Stadtratsmandate an die einzelnen Parteien und Wählergruppen war es absolut richtig, dass die Mitglieder des Wahlausschusses entschieden haben, die Ergebnisse der Stadtratswahlen nachzuzählen. Gegenüber dem vorläufigen Endergebnis ist immerhin eine Abweichung von 49 Stimmen auf das tatsächliche Endergebnis festzustellen. Dabei bekamen alle Parteien und Wählergruppen einige Stimmen hinzu gerechnet, während die neue Gruppierung “Miteinander” 6 Stimmen verlor. Das korrigierte Endergebnis der Nachzählung hat nun dazu geführt, dass die FWG Gaisthal einen zweiten Sitz (ursprünglich 1 Sitz) gewonnen und die Wählergruppe “Miteinander” einen Sitz (ursprünglich 3 Sitze) verloren hat.

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